„Musik in der Kirche“ 2016: Friedvolle Klänge zum Advent

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Drei dicke Kerzen brannten am Adventskranz der Gräfenhäuser Kirche, als die Taktlosen des Musikvereins mit Dirigentin Beate Petri im Altarraum Platz nahmen, um ihren Gästen „alle Jahre wieder“ ein Stündchen Vorfreude auf Weihnachten zu schenken. Soweit die Tradition. Der Blick ins Programmheft verriet, dass die Musiker bei der Auswahl ihrer Stücke ein etwas verändertes Konzept verfolgten.
Der rote Faden, der sich durchs Konzert zog, hieß „Frieden“. Dem bekannten Dona Nobis Pacem (Gib uns Frieden) folgte das etwas ungewöhnliche Stück Stop the Calvalry, dessen Titel zunächst wenig Weihnachtliches vermuten ließ. Doch die Taktlosen hatten sich diesmal überlegt, anstelle der üblichen Moderation den Zuhörern ihre Stückauswahl per Gedicht oder Liedtext näher zu bringen. Und der Text von Jona Lewie, in dem ein Soldat seinen Präsidenten darum bittet, die Kavallerie zurückzupfeifen und den sinnlosen Krieg zu beenden, damit er Weihnachten wieder zuhause feiern kann, überzeugte das Publikum hörbar. Auch John Lennon´s Imagine wurde mit seinem Liedtext über den Wunsch nach einer friedlichen, vereinten Welt ohne Hunger, Neid und Besitztum anmoderiert und von Solistin Claudia Blaurock am Altsaxofon hervorragend interpretiert. Damit war der Weg geebnet zu den nun folgenden leiseren Klängen. Ein Holzbläserquartett unter der Leitung von Ingeborg Stroh führte die Zuhörer mit dem Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel ins 17. Jahrhundert, während anschließend drei junge Flötistinnen mit einem Satz aus Quatre Miniatures von Marc Berthomieu neoklassizistische Kammermusik des zeitgenössischen französischen Komponisten vorstellten. Die Begeisterung des Publikums zeigte, dass solche klassischen Werke wunderbar das Repertoire des großen Orchesters ergänzen und für Abwechslung sorgen. Doch nun war es wieder an der Zeit, mit dem vollen Klangkörper die tolle Akustik der Kirche auszunutzen. Gänsehaut bei „Hallelujah“ von Leonard Cohen wechselte nun mit einem Lächeln in den Gesichtern, als bei Sleigh Ride die Schlittenglöckchen, die klappernden Hufe und das Wiehern eines Pferdes (pardon, einer Trompete) zu hören waren. Den Abschluss des gelungenen Programms gestalteten alle Zuhörer gemeinsam mit dem Orchester, in dem sie aus vollen Kehlen Alle Jahre wieder erklingen ließen. Mit Musik im Herzen und der ein oder anderen Tasse Glühwein auf dem weihnachtlich geschmückten Vorplatz der Kirche, beschloss man einen schönen Adventsonntag.

Mit Pokalen auf der Bühne

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Vier Pokale standen neben der Bühne im Bürgerhaus Gräfenhausen. Sie sind das Ergebnis des Landesmusikwettbewerbs für Jugendorchester, bei dem die „MusicTeens“ des Musikvereins Gräfenhausen in vier Kategorien „abräumen“ konnten, wie es Moderatorin Maja Worgitzki formulierte.

Für Samstag hatte der Musikverein Gräfenhausen zum Herbstkonzert eingeladen, bei dem zuerst die „MusicTeens“ und danach „Die Taktlosen“ spielten. Beide Orchester widmen sich der sinfonischen Blasmusik, der sinfonischen Musik ohne Streichinstrumente.
Mit „The Great Locomotive Chase“ eröffneten die „MusicTeens“ das Konzert. Querflöten bildeten den Klang der Zugpfeifen ab, Schlagzeuge das Räderrattern, und aus dem Glockenspiel tönte das Schrankenläuten in das dynamische Stück. Mit „The Great Locomotive Chase“ erzählt der amerikanische Komponist Robert W. Smith musikalisch einen Lokomotivenraub während des US-Sezessionskrieges 1862.
Das zweite Stück „Land of the Cornflower“ war auch Teil des für die „MusicTeens“ so erfolgreichen Landesmusikwettbewerbs, wie Moderatorin Maja Worgitzki erläuterte. Auch dieses Werk ist modern, wenngleich es Komponist Rob Goorhuis auf estnischen Volksliedern aufgebaut hat; die Kornblume ist die Nationalblume Estlands.

Poppig wurde es bei der Zugabe mit „Shut up and Dance“ von der Gruppe „Walk the Moon“. Nach viel Jubel und Applaus für das junge Ensemble übernahm mit den „Taktlosen“ das große sinfonische Orchester, ebenfalls unter der Leitung von Dirigentin Beate Petri, die Gestaltung des zweiten Programmteils.

Mit dem Orchester wechselten auch die Akzente in der Saalbeleuchtung von Grün (passend zu den Polohemden der „MusicTeens“) zu Blau (Farbe der Krawatten und Tücher der ansonsten ganz in Schwarz gekleideten „Taktlosen“). Wuchtig mit Tuba, Pauken und Trommeln gaben die Musiker „A little Opening“ – ein Titel, der angesichts der opulenten Instrumentierung „ein bisschen untertrieben“ sei, wie Moderatorin Fiona Lenz einräumte.

Von einer Pavane, einem Tanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert, über ein Medley von Hits der Band „Queen“ bis zu „Jump“ von Van Halen zeigten „Die Taktlosen“ ihre ganze Bandbreite. Nach begeistertem Applaus und lauten Rufen nach „Zugabe“ verteilten die Musiker Leuchtstäbchen im Publikum, die dann im sehr gut besuchen Bürgerhaus zu „We are the World“ geschwenkt wurden.

[echo-online.de, 8. November 2016]

Gräfenhäuser Orchester stürmen Burg Breuberg

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Eine Woche lang war die Burg Breuberg im Odenwald fest in der Hand der Gräfenhäuser Jungmusiker. Den Anfang machten die MusicTeens, die sich vier Tage lang intensiv ihre Stücke erarbeiteten sowie den Zusammenhalt und die Gruppendynamik des Jugendorchesters stärkten. Neben den Proben hatte man viel Spaß beim Bemalen von T-Shirts, Karaoke singen, einem Filmabend und dem obligatorischen Lagerfeuer. Selbst hier tönten die Piraten der Karibik, das derzeitige Lieblingsstück der Jugendlichen, zwar ohne Instrumente, aber aus vollen Kehlen durch die Nacht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie solche Jugendherbergstage die Gruppe zusammenschweißen und motivieren.

Am Wochenende übernahm das große Orchester „Die Taktlosen“ das Zepter und brachte die Burg mit einem Klangkörper von 45 Personen zum Beben. Auch diesmal waren wieder einige Ehemalige mit von der Partie, die zwar mittlerweile zum Arbeiten oder Studium weit entfernt wohnen, es sich aber nicht nehmen lassen, die Probentage und das Herbstkonzert jedes Jahr mitzuerleben. In vielen Probeneinheiten wurde das ganze Wochenende über konzentriert am Konzertprogramm gefeilt, um für das anstehende Herbstkonzert alles perfekt zu machen. Doch wer „Dawn of a New Day“ brillant spielen will, der muss auch eine Morgendämmerung auf Burg Breuberg aktiv miterlebt haben, wenn die Sonne langsam durch den Nebel kriecht. Und so wurde die zusätzliche Stunde, die man durch die Zeitumstellung geschenkt bekam, dankend angenommen. Denn auch bei den Großen ist das fröhliche Beisammensitzen nach den Proben nicht minder wichtig und ein 24-Stunden-Tag zum Proben und Feiern eindeutig zu kurz.

Wer sich vom musikalischen Ergebnis des Wochenendes überzeugen möchte und erleben will, wie am Konzertabend die positive Stimmung und die Begeisterung der Musiker auf das Publikum übergreifen wird, ist herzlich eingeladen, am kommenden Samstag, den 05.11.2016 um 20.00 Uhr ins Bürgerhaus Gräfenhausen zu kommen. Zum Genießen eines Glases Wein und kleiner Snacks wird der Saal bereits um 19.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist wie immer frei.

 

Das kleine Orchester probt für einen Auftritt im Schulhof

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„Keine Vorkenntnisse notwendig. Einfach kommen und mitmachen.“ Mit dieser Einladung ging vor zwei Jahren der Musikverein Gräfenhausen auf die Gräfenhäuser zu, um eine neue Gruppe mit erwachsenen Musikern zu gründen. „Lautstark“ – so der Name – feiert am Samstag im Schulhof der neuen Schlossschule seinen zweiten Geburtstag. Und probte die vergangenen Wochen im Bürgerhaus Gräfenhausen fleißig für den Auftritt.

Viele Saxophonspieler machen mit

„Wir spielen erstmal nur auf Klang“, sagt Dirigent Michael Wiesner zum Probenbeginn. Wichtig sei der Klang und nicht die Lautstärke, auch wenn da „fortissimo“ stehe. „Lasst die Luft fließen.“ Das Stück heißt „To a Skylark“ (Für eine Lerche), das Orchester spielt es durch und Michael Wiesner ist zufrieden. Fast. Irgendwas fällt den hauptberuflichen Musiklehrer immer auf. „Bleibt nicht mit den Augen in den Noten hängen“, mahnt er freundlich. „Die Noten kennt ihr“, versichert er ihnen. „Nehmt Blickkontakt zu mir auf.“ Weiter geht es mit dem Stück „Sax Attack“. Was besonders gut zu „Lautstark“ passt, da im Orchester ziemlich viele Saxofon-Spieler sind.

„Wir freuen uns über den großen Saxofon-Satz“, sagt Michael Wiesner. „Aber schön wäre es, wenn wir noch bei den tiefen Blechblasinstrumenten Zuwachs bekämen.“ Das wären Tuba, Posaune, Horn und Euphonium. Bei der Musikersuche für „Lautstark“ war der Musikverein damals einen neuen Weg gegangen, er sprach Erwachsene an, die vor Jahren mal ein Instrument gespielt hatten oder schon immer gerne eines gespielt hätten.

„Wir hatten 4000 Postkarten drucken lassen, die in ganz Gräfenhausen in die Briefkästen geworfen und zu einem Workshop eingeladen“, erzählt Musikvereinsvorsitzender Josef Schneider. Inzwischen seien 18 Musiker zwischen 17 und 72 Jahren aus Gräfenhausen, Erzhausen, Braunshardt und Weiterstadt dabei. „Mein Mann Jens hatte sich gleich zu dem Workshop getraut“, erzählt Christina Rönnfeld, wie sie vom begeisterten Ehemann motiviert dann auch zu „Lautstark“ kam und nun Saxofon spielt. „Ich wollte schon immer Saxofon spielen und musste mit einer Blockflöte anfangen“, schildert sie ihren Weg durch die Musikwelt. „Dann wollte ich eine Piccoloflöte und bekam von meinen Eltern ein Krummhorn.“ Und so lief es darauf hinaus, dass sie 30 Jahre lang kein Instrument spielte. Bis 2014.

„Und die Proben im Duett mit meinem Mann machen wirklich Laune.“ Sandra Huck ist schon länger beim Musikverein dabei, hatte aber eher bei Veranstaltungen mitangepackt und diese organisiert, auch weil ihre Tochter bei den „Taktlosen“ mitspielt, dem großen Orchester des Vereins.

Beim Workshop sei der Funke übergesprungen, erzählt sie. Und der Wunsch entstanden „Piraten der Karibik“ auf der Klarinette mitzuspielen. Bei Ursula Popiolek-Winkler dauerte die Musikpause 20 Jahre. „Dann kam die Einladung vom Musikverein“, erzählt sie. Als sie aus ihrem Altsaxofon keinen Ton mehr herausbekam, dachte sie, dass es kaputt sei.

„Tatsächlich war aber nur meine Atemtechnik weg.“ Unterstützt wird „Lautstark“ von erfahrenen Musikern aus dem Verein, die die Chance nutzen ein neues Instrument zu lernen. Wie zum Beispiel Josef Schneider, der Tenorhorn-Spieler der Blaskapelle spielt bei „Lautstark“ nun Schlagzeug.

[echo-online.de, 9. September 2016]